Alfa Romeo Giulietta – Italienische Interpretationen
Fahrbericht von Dietmar Stanka


Die Giulietta. Ein klangvoller Name, der an eine glorreiche Zeit von Alfa Romeo erinnert. An eine Zeit, an die der italienische Automobilhersteller spätestens seit dem MiTo wieder anknüpfen möchte.

 Foto: D. Stanka


Nun soll die Giulietta verlorene Marktanteile in einem heiß umkämpften Segment zurückerobern. Allein mit dem Design mag das wohl gelingen. Aber werden die inneren Werte dem äußeren Schein ebenfalls gerecht?

 

Design und innere Werte


Betörend die Linien der Giulietta. Sie werden einem automobilen Publikum gerecht, das sich ein Auto nicht nur wegen der schnöden Fortbewegung kauft. Es sind Menschen mit Sinn für Ästhetik und einem Charakter, der Schönheit vor praktischen Nutzen stellt. Denn so hübsch die Giulietta von außen ist, so wenig praktikabel ist der Innenraum gestaltet. In den Türeinlässen finden nur winzige Kleinigkeiten Platz, die Flaschenhalter zwischen den Vordersitzen sind das Wort „Halter“ nicht wert und in das Fach der Armstütze passt nicht einmal eine Sonnenbrille. Wahrscheinlich nimmt die ein Italiener einfach nie ab, sonst hätte man wohl darauf geachtet.

Das Cockpit ist gewöhnungsbedürftig, zeigt es doch einen ganz neuen Stil der Marke aus Mailand. Einzig die Rundinstrumente in den tiefen Höhlen erinnern an die alten, oftmals so hochgelobten Zeiten. Der Rest des Instrumententrägers ist glatt gebügelt und je nach Ausstattungsvariante zum Beispiel mit gebürstetem Aluminium aufgewertet. Die Schalter sind logisch angeordnet und das in unserem Testwagen eingebaute Navigationssystem berechnete die Wege schnell und exakt.

 Foto: D. Stanka

 

Motor und Getriebe


Unser Testwagen wurde von einem 2-Liter-Diesel angetrieben, der mit der Alfa Romeo D.N.A. verknüpft war. DNA? Hört sich nach Genforschung an, die im Auto nix zu suchen hat. Bei Alfa hat diese Bezeichnung aber eine andere Bedeutung. D steht für Dynamik, N für Normal und A für Allwetter. Mit dem in der Mittelkonsole befindlichen Hebel kann je nach Gusto der jeweilige Fahrmodus gewählt werden. Im Testzeitraum während des Jahreswechsels war der „Allwetter-Modus“ die erste Wahl. Denn mit diesem Regelsystem werden die Motor- und Lenkungscharakteristik, Differenzialsteuerung und die Stabilitätskontrolle auf den bevorzugten Fahrstil oder die aktuelle Verkehrssituation abgestimmt.

Der Dynamikmodus begeistert mit einem kräftigen Schubzuwachs beim Beschleunigen oder Überholvorgängen. Auch wenn der Diesel mit seinen 125 kW (170 PS) im Normalmodus bereits genügend Leistung  auf die Straße bringt, ist die Versuchung groß, richtig dynamisch unterwegs zu sein. Schließlich steigt das Drehmoment von 320 auf 350 Nm. Ein nettes Gimmick ist dabei die Anzeige von Ladedruck und Querbeschleunigungskräften auf dem Navi-Bildschirm.

Foto: D. Stanka

 

Ausstattungsvielfalt


Mit der Basisausstattung der Giulietta haben die Alfa-Verantwortlichen bereits tief ins Regal gegriffen. Sämtliche Sicherheitsfeatures, wie ABS, Antriebsschlupfregelung, elektronische Bremskraftverteilung die elektronische Differenzialsperre Q2 sind Serie. Weiter sind elektrische Fensterheber und eine Klimaanlage an Bord.

1.800 Euro mehr müssen für das empfehlenswerte Turismo-Paket ausgegeben werden, das auch in unserem Testwagen verbaut war. Dafür gibt es dann unter anderem Leichtmetallräder, eine Zweizonenklimaautomatik, Nebelscheinwerfer und die Schaltpunktanzeige.

Das Start&Stopp-System haben alle Giulietta außer dem sportlichen Quadrifoglio Verde gemein. Mit den optionalen Paketen kann der Preis der Giulietta je nach Umfang der Wunschliste modellabhängig extrem in die Höhe steigen. 5.000 – 7.000 Euro können es durchaus werden und dann erreicht der kompakte Alfa auch mal einen Preis von 35.000 Euro, genau wie unser bestens ausgestatteter Testwagen!

Foto: D. Stanka

 

Fazit


Fünf Sterne beim EuroNCAP-Test, damit auf Augenhöhe mit dem Klassenprimus Golf und ein hübsches Design. Die Verarbeitung ist ebenfalls topp, nur beim Verbrauch ist die Giulietta nicht wirklich zurückhaltend. Rund 7 Liter flossen durch die Piezo-Düsen. Die 4,7 Liter wurden in der Testphase nicht erreicht, was aber der eisigen Witterung zuzuschreiben ist. Wer die kleinen Mankos wie die fehlenden Ablagen außer Acht lässt, wird mit diesem Alfa Romeo Freude haben und eben anders sein als andere!

 

Foto: D. Stanka

 

Technische Daten:


Alfa Romeo Giulietta Turismo 2,0 JTDM
Motor: 4-Zylinder-Diesel mit Turboaufladung
Getriebe: Sechsgang-Schaltung 

Hubraum: 1.956 ccm

Leistung in kW/PS bei xy U/min: 125 kW (170 PS)/4.500 
Max.
Drehmoment: 320 Nm bei 1.500 Umdrehungen pro Minute

Länge/Breite/Höhe: 4.351/1.798/1.465  in mm

Radstand: 2.634 in mm
Leergewicht: 1.395 kg

Zul. Gesamtgewicht: 1.825 kg

Kofferrauminhalt: 350 – 1.045 l

Bereifung: 225/45 R 17
Felgen: 7,5 x 17″ Leichtmetall
Beschleunigung: 8,0 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h 

Tankinhalt: 60 l
Kraftstoffverbrauch
Kombinierter Verkehr: 4,7 l auf 100 km

Preis: 27.100 Euro inkl. MwSt. (ohne Sonderausstattungen)

Dietmar Stanka   Aribonenstraße 1 b   D-81669 München